Auf kultureller Erkundungstour
24. Juli 2009
Da wir als wissbegierige junge Menschen natürlich auch in der freien Zeit stets bestrebt sind unseren Horizont zu erweitern, machten wir uns am letzten Wochenende auf, die Kulturhauptstadt Europas, Linz, zu besuchen und uns dort an der unglaublichen Fülle und Vielfältigkeit der kulturellen und geschichtlichen Angebote zu laben.
Ähh. Ja.
In Österreich ging also die Bundesliga früher los, deshalb fuhren wir am Samstag runter, um uns das Spiel des Linzer Athletik-Sport-Klubs zu Gemüte zu führen. Gegner war der Sportverein Mattersburg. Obwohl man dort wohl ganz optimistisch auf die neue Spielzeit wartete, war das erste Spiel der Saison eher unterdurchschnittlich besucht. Grund dafür war sicher das schlechte Wetter. In einem komplett überdachten Stadion ist das allerdings keine besonders gute Ausrede.
Überhaupt ist das Stadion der Stadt Linz ein sehr angenehmes. Es ist mit vielen Stehplätzen ausgestattet und bietet dadurch einer großen Masse an jungen Menschen die Möglichkeit das Spiel kostengünstig zu besuchen. Besonders weil man es dort mit der Kontrolle von Ermäßigungen nicht so genau nimmt…
Auch die Toiletten haben dort einen Standard, den man von unserem schönen Stadion nicht gewöhnt ist. Man muss aber auch nicht immer zu viel erwarten. Ich wäre schon froh, wenn es bei mir zu hause so aussähe. Naja.
Natürlich ist aber auch in Österreich nicht alles schön. Und damit meine ich nicht nur die Sprache, die wirklich nur bei sehr, sehr grober Auslegung als Deutsch zu bezeichnen ist.
Was allgemein gerne als Kommerzialisierung des Fußballs bezeichnet wird ist auch hier nicht zu übersehen. Vor allem sind die Trikots in einem Maß mit Werbung voll gestopft, das bei uns vermutlich ähnlich gut ankommen würde wie rosa Heimtrikots.
An das ewige „Danke – Bitte“-Gequatsche von Stadionsprechern werde ich mich außerdem wohl nie gewöhnen können.
Aber gut. Das Spiel war dafür super. LASK schoss in der ersten Halbzeit 4 Tore und kam auch in der zweiten Hälfte niemals ernsthaft in Bedrängnis, so dass das Spiel 4:0 endete.
Die Stimmung kann ich dabei schlecht beurteilen. Ab und zu wurde es schon mal relativ laut, allerdings stand ich auch direkt in der Nähe des Vorsängers.
Auffällig fand ich dabei vor allem, dass nahezu alle Gesänge von anderen Vereinen geklaut waren. Das Übernehmen von Melodien ist ja nun aber nichts Ungewöhnliches und da in einer so kleinen Szene die Anzahl der kreativen Köpfe sicher begrenzt ist, auch nicht weiter verwerflich.
Alles in allem war es aber ein durchaus interessantes Erlebnis, mal den österreichischen Fußball kennen zu lernen.
Trotzdem wird es Zeit, dass es auch bei uns wieder losgeht.
Doch kein Aufwind
18. April 2009
Auf Drängen meines Spastenfreundes (ja ich mag dich auch.) bin ich nun dazu verdonnert, um diese Uhrzeit noch einen Spielbericht von gestern zu verfassen.
Eigentlich will ich das Spiel eher nicht mehr ausgraben, da ich heute schon beschlossen habe, es einfach zurückzustecken und nicht mehr so oft dran zu denken, aber was tut man nicht alles. Kurz gesagt: Blamage pur.
Beginnen will ich mit dem, was anfangs eigentlich positiv schien. Die letzten Spiele ging es stetig bergauf, neuer Trainer, neuer Beginn, es geht wieder bergauf, so versuchte man es allen in den Kopf zu bringen. Ob mit Zeitungen oder mündlich weitergegeben, die österreichische Fußballlegende Hans Krankl sollte die Linzer Jungs mal wieder nach vorne bringen.
Erstes Spiel des neuen Trainers, 2:0 Rückstand gegen Kapfenberg (eher untere Hälfte der Liga) auf 2:2 aufgeholt, was schon sehr überragend schien, wenn man bedenkt, was in den letzten Spielen so abging – nach einem Führungstor der anderen war Sense bei uns, von kämpfen keine Spur.
Darauf folgte das Auswärtsspiel in Kärnten, die um einige Punkte vor uns liegen, und wo keiner mit irgendwas gerechnet hatte, doch was kam? Das 0:0 wurde bis zum Goldtor des jungen Linzers Klein tapfer verteidigt. Das Tor erschien als Erlösung gegenüber dem kämpfen und bemühen im Laufe des ganzen Spieles.
Danach waren alle voller Euphorie, das Abstiegsgespenst ist nun verjagt, es geht wieder aufwärts, die Jungs können neue Motivation schöpfen und wissen, dass sie es nicht verlernt haben, 3 Punkte mitzunehmen, vor allem wenn diese auswärts von einem durchaus starken Gegner kommen.
Nun will ich das näher beschreiben was gestern war. Voller Optimismus stieg ich Freitag aus dem Bett und dachte sofort: Heute holen wir die 3 Punkte und zeigen den Riedern, dass sie hier wie immer nichts zu holen haben!
Denn seit Ewigkeiten haben die nicht mehr bei uns gewonnen, es waren viele Unentschieden, viele Niederlagen ihrerseits dabei, aber siegen konnten sie bei uns selten.
Lehrer meinten dass der Lask heute verliert, hochmotiviert hab ich aber gesagt, dass das nicht geschehen wird, der Lask wird wieder stärker, was man auch gesehen hat.
Den ganzen Tag freute ich mich auf den Abend, dann verschlief ich fast, aber ging sich alles noch rechtzeitig aus.
Im Stadion angekommen, traf ich nen Kumpel, der mir berichtete, dass paar Leute von dem üblichen Fanclubs, einen Übergriff auf die Rieder gestartet haben, die mit dem Zug ankamen. Blöd nur, dass überall Polizei war, und sie auch auf die losgingen. Kurz – ne verdammt peinliche und sinnlose Aktion, denn wenn man glaubt, bei so einem Polizeiaufgebot dann auch noch davon zu kommen, dann muss man schon verdammt blöd sein. In der Zeitung stand schon, dass es 17 Festnahmen gibt, und auch verletzte Polizisten, die nicht wussten wie sie mit der großteils betrunkenen Truppe umgehen sollten.
Aber Hauptsache war dann, dass dann gleich bei Spielbeginn die ACAB-Rufe von deren Seite ertönten. Da kann man eigentlich nur schmunzeln, vor so viel Dummheit.
Choreo mäßig wurde ein bisschen was geplant, die Rauchbomben genau in der Reihe vor mir, führte nur nicht zur Freude meinerseits, da erst mal ne Weile keine Luft bekam. Da sind mir die Bengalen um einiges lieber.
Spruchbänder den Geburtstagskinder gewidmet und auch einige den Riedern, die wie immer, als Bauern „beschimpft“ wurden. Diese nennen sich jedoch selber Bauern, was dann wohl nicht mehr als Beschimpfung hingenommen werden kann.
Stimmungsmäßig startete man eigentlich gut, bei Derby scheinen alle hochmotiviert, besonders bei den Hassgesängen.
Lächerlich wird das ganze sowieso erst, wenn die Hassgesänge zur Mehrheit werden, was dann gegen Ende des Spiels passierte (auf ne gewisse Weise kann ich es auch verstehen)
Das erste Tor bekam ich gar nicht mit, die Enttäuschung war noch eher gedämpft, ich war noch voller Optimismus, da tut sich noch was! Und die Chancen waren auch da, finde ich auf jeden Fall.
1:0 ging man dann auch in die Pause, keiner ahnte was noch folgen sollte.
Die Ernüchterung erfolgte dann in der 2. Hz, 2:0, nun sahen manche ein, das wird nichts mehr, den Spielern auf dem Platz sah man es an, sie kämpften, aber hatten vermutlich schon in den Köpfen – das wird nichts mehr.
Die Optimisten (ich war dabei) hofften immer noch auf ein Spiel ala Kapfenberg, wo in den letzten 10 min noch 2 Tore geschossen wurden, eines sogar noch in der Nachspielzeit.
Doch dieser Optimismus verpuffte in der Sekunde, als alles zu eskalieren schien.
Unser Kapitän, Ivica Vastic, der bei einem Streit versuchte zu schlichten, wurde ausgeschlossen, er sah Rot. Keiner konnte es verstehen, da er in dem Spiel davor nie auffällig wurde, kein einziges Foul. Da wird man dann doch neugierig, was geht denn dort ab? Was kann einer schlimmes sagen, der nicht mal die deutsche Sprache wirklich beherrscht?
Wir auf den Rängen konnten es nicht fassen, doch der 2. Streich folgte sogleich.
Es schien, dass eine Streiterei im Gange war, auf einmal stürmte ein Spieler einfach in die Kabine, kam nicht wieder, er sah wiederum auch sofort Rot. Keiner weiß wieso, was geschah.
Nun versuchte man verbissen wenigstens noch ein Tor zu schießen, um die Ehre nicht ganz zu verlieren, die Rieder feierten schon, und dann kam das Unfassbare: Gelb an unseren Tormann – meiner Meinung nach total unverdient, da dieser nur den Ball halten wollte, und der Spieler ihm einfach hineinrannte.
3:0, vorbei, Enttäuschung, Entsetzen, Wut, Empörung, Trauer, das Wieso? stand im Raum.
Manche gingen mit hohen Erwartungen ins Spiel, erwarteten einen Sieg, anderen sahen ein Unentschieden vor Augen.
Woher das kommt? Aus den letzten Wochen, aus den vielen Testspielen, wo die Linzer unter dem Trainer durchaus überzeugen konnten, aus der Zuschreibung der klaren Favoritenrolle des gegnerischen Trainers an uns, aus den Ergebnissen aus den letzten Spielen.
Keiner erwartete das was man sah. Man fühlte sich ein paar Spiele zurück erinnert, als alle noch Angst vor dem Abstieg hatten, und viele blöde Fehler passierten, Fehlpässe waren an der Tagesordnung, die sind zwar jetzt weniger geworden, doch eines ist geblieben, die Langsamkeit, mit der man auf das Tor zuläuft, die Langsamkeit wie man Bälle zuspielt, die so scheinende Verlorenheit mancher Spieler, die nicht wissen, wo sie hinspielen sollen, wenn sie den Weg durch die Verteidigung geschafft haben.
Nun steht man mit leeren Hände da, die Euphorie gegenüber dem Trainer ist wieder gesunken, was mir jedoch klar war, dass das früher oder später passieren wird, jedoch keinesfalls auf diese Weise.
Jetzt ertönen wieder die Rufe „ja!! das war der falsche Trainer! Raus mit ihm!“ lächerlich, aber alltäglich im Kopf vieler Lask „Fans“.
Ich für meinen Teil sehe nach vorne, diese Saison ist nicht mehr viel zu holen. Vielleicht sieht man noch ein paar spannende Spiele und Überraschungen, denn das will man doch sehen, spannende Spiele, wo die Leidenschaft gegenüber dem Verein erweckt wird. Wenn man singend und klatschend auf den Stangen steht, in den Himmel guckt, und ganz genau weiß „Hier gehör ich hin und nirgend wo anders.“
Autor: Verena